Sprachentwicklung

Kinder entwickeln Sprache unterschiedlich schnell. Häufig ist die Aussprache in den ersten Lebensjahre undeutlich.
Sprache ist ein wichtiges Instrument unserer Kommunikation. Anfangs ist sie vor allem wichtig, um Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken.
Sie verbindet uns und stiftet Identität. Später wird sie ein Werkzeug, mit dem wir abstrakte Zusammenhänge und Gedanken ordnen und verständlich machen können. Das Erlernen von Sprache ist ein komplexer Vorgang, den Eltern durch das Sprechen mit ihren Kindern fördern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sprachentwicklung beginnt ab der Geburt

Kinder lernen Sprache Schritt für Schritt: Hören, dann Laute bilden, später Wörter und Sätze. Jedes Kind entwickelt sich dabei im eigenen Tempo.

  • Nicht alles muss sofort „richtig“ sein

Viele Laute werden anfangs vereinfacht oder falsch ausgesprochen manchmal erkennen wir Worte eher an ihrer Melodie, als an den Lauten– das ist normal. Darum werden viele Kleinkinder zunächst auch nur von Ihren Eltern verstanden, während andere Personen Mühe haben die Aussprache der Kinder zu deuten.

  • Wann sollte man handeln?

Wenn ein Kind deutlich hinter den typischen Entwicklungsschritten zurückbleibt oder kaum verständlich ist, sollte man dies bei den Vorsorgeuntersuchungen ansprechen (siehe dazu die Hinweise unten).

Fakten

  • Kinder müssen Sprache zuerst verstehen, bevor sie selbst sprechen. Daher sollten Kinder  im Alltag möglichst viel Sprache hören.
  • Sprechen lernen Kinder durch das Sprechen mit anderen Menschen. Bildschirmmedien sollten bei Kleinkindern vermieden werden.
  • Mehrsprachigkeit verursacht keine Sprachstörung. Eltern sollten am besten in Ihrer Muttersprache mit den Kindern sprechen.

Mythen

  • Falsche Aussprache ist immer ein Problem.“
    Nein, die Aussprache ist von Kind zu Kinder sehr unterschiedlich. Viele Lautfehler sind bis zum Alter von 5-6 Jahren normal. 

Das ist gut für Ihr Kind

  • Viel sprechen, zuhören, antworten
  • Rhythmus und Melodie helfen Kindern sich Laute zu merken. Lieder und Reime zum mitklatschen sind ideal. Und: Kinder lieben Wiederholungen!
  • Täglich Bücher anschauen und vorlesen
  • Alltägliches in Sprache fassen („Jetzt ziehen wir die Schuhe an und danach…“)
  • Haben sie Spaß an der Sprache. Bei häufigen Fehlern geduldig korrigieren durchrichtiges Vorsprechen (und nicht durch nachsprechen lassen).

Das ist schädlich für Ihr Kind

  • Fehler ständig verbessern,- zu viel Korrektur kann verunsichern.
  • Don´t mix to much! – In Familien, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden, hilft es den Kindern, wenn einzelne Personen bei einer Sprache bleiben und nicht zu viel zwischen den Sprachen „hin-und-herspringen“
  • Möglichst keine Bildschirmmedien als Sprachersatz nutzen (siehe Medienkonsum)

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Weitere Informationen

Die Sprachentwicklung beginnt nicht erst mit den ersten Worten, sondern direkt nach der Geburt. Schon Neugeborene hören genau zu und erkennen die Stimmen ihrer Bezugspersonen. Sie nehmen schon sehr früh die Melodie unserer Sprache ebenso wie verschiedene Stimmungen war. Die Sprache entwickelt sich dann in mehreren Schritten: zuerst das Hören und Verstehen, danach das aktive Sprechen. Ein Kind kann also immer mehr verstehen, bevor es dies sprachlich ausdrücken kann – das ist normal und wichtig. Häufig unterschätzen wir das Sprachverständnis kleiner Kinder!
Ab etwa dem zweiten Lebensjahr wächst der Wortschatz deutlich. Kinder beginnen, Wörter zu kombinieren und einfache Sätze zu bilden. Grammatik und Aussprache sind dabei noch unvollständig. Viele Laute werden vereinfacht, ausgelassen oder ersetzt. Diese sogenannten phonologischen Prozesse sind altersgerecht und verschwinden meist von selbst. Zum Beispiel ist es normal, wenn ein Kind „tatze“ statt „Katze“ sagt. Zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr werden Sätze länger und verständlicher. Kinder stellen viele Fragen und nutzen Sprache, um zu erklären, zu erzählen und Beziehungen zu gestalten. Die Aussprache verbessert sich schrittweise, auch wenn komplexe Laute wie „sch“, „ch“ oder „r“ oft noch Schwierigkeiten machen. Bis zum Schuleintritt verfeinert sich die Sprache weiter. Wortschatz, Grammatik und Aussprache werden sicherer. Die meisten Kinder sind nun gut verständlich, auch für fremde Personen. Einzelne Lautfehler können jedoch noch normal sein. Wichtig ist: Sprachentwicklung verläuft individuell. Manche Kinder sprechen früh und viel, andere später. Entscheidend ist nicht der Vergleich mit anderen Kindern, sondern die Entwicklung. Wenn Sprache sich über längere Zeit kaum weiterentwickelt, wichtige Laute deutlich verzögert auftreten oder das Kind häufig nicht verstanden wird, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.

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